Mittwoch, 20. November 2013

Test: Beyond: Two Souls (Adventure)

Nach dem preisgekrönten interaktiven Serienkiller-Drama Heavy Rain, erschien am 08. Oktober Quantic Dreams neuestes Werk Beyond: Two Souls. David Cage, der Leiter des französischen Entwicklerstudios, erzählt eine Geschichte. Ich habe sie gespielt und berichte euch meine Eindrücke.

Handlung
Das Spiel erzählt die bisweilen sehr düstere Geschichte von Jodie Holmes (gespielt von Ellen Page). Jodie ist seit ihrer Geburt mit einer geisterhaften Existenz namens Aiden verbunden. Durch seine Augen kann Jodie Dinge sehen, die Anderen verborgen bleiben oder sie bittet ihn physisch in das Geschehen einzugreifen.

Jodies Fähigkeiten führen dazu, dass sie ihre Kindheit in einer wissenschaftlichen Einrichtung verbringt in der sie auch auf Nathan Dawkins (Willem Defoe) trifft, der ihr hilft ihre übernatürlichen Kräfte zu kontrollieren.

Das Spiel folgt keiner chronologischen Ordnung sondern wirft den Spieler in verschiedene Lebensabschnitte Jodies. mal ist sie als Erwachsene auf der Flucht vor der Polizei, dann lässt sie als Kind Tests über sich ergehen, in der nächsten Episode ist sie auf geheimer Mission für die CIA unterwegs.

Die zentrale Frage des Spiels, die sich dem Spieler mit der Zeit aufdrängt, ist die nach dem Leben nach dem Tod. Immer wieder wird Jodie damit konfrontiert, ob sie ihren Mitmenschen hilft den Tod enger Angehöriger zu verarbeiten oder sich selbst an der Schwelle befindet, über Aiden fungiert Jodie als Bindeglied zwischen Diesseits und Jenseits.

Kritik
Spielerisch ist Beyond: Two Souls, wie von David Cage beabsichtigt, sehr einfach gehalten. Man interagiert mittels rechten Sticks, per Dreieck schaltet man auf Aiden um und während des Kampfes kommt ein neues Quick-Time System zum Einsatz bei dem der Kampf in Zeitlupe versetzt wird und man den Bewegungen Jodies mit dem rechten Stick folgt.

Im Gegensatz zu Heavy Rain, wo die spielbaren Charaktere zu bestimmten Zeitpunkten im Spiel sterben konnten wenn man die falschen Entscheidungen getroffen hat oder in wichtigen Momenten versagte und man somit den weiteren Verlauf und den Ausgang des Spiels beeinflusste, ist es bei Beyond: Two Souls so, dass man zwar kurzfristig unterschiedliche Geschichten erlebt, die Handlung aber an bestimmten Knotenpunkten wieder zusammenläuft, es ist sehr selten, dass eine Entscheidung für spätere Kapitel Konsequenzen beinhaltet. In meinen Augen liegt darin einer der größten Schwachpunkte des Spiels, durch die nicht chronologische Erzählweise weiß der Spieler bis zu einem gewissen Punkt wie die Geschichte ausgeht. Durch schlechte Reaktionen in den Kämpfen verändert man lediglich wie viele Schläge Jodie einsteckt oder zwingt schlimmstenfalls Aiden zum Eingreifen; es gibt kein Game-Over. Hat man das realisiert, geht leider viel Spannung verloren. Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt. Die Story nimmt mit dem weiteren Spielverlauf etwas absurde Sci-Fi Anwandlungen an und wirkt insgesamt ziemlich chaotisch.
Desweiteren kommen die Szenen mit Defoe während Jodies Entwicklung zu kurz und lassen die spätere Vater-Tochter Beziehung zwischen Nathan und Jodie unglaubwürdig erscheinen.

Allen Schwächen entgegen allerdings steht die Leistung der Schauspieler, insbesondere von Ellen Page. Ihr gelingt es Jodies Emotionen zum Spieler zu transportieren und ihn zu packen und das unter dem zusätzlichen Anspruch eine Szene mit allen möglichen alternativen Reaktionen hintereinander zu spielen, was ein schnelles Umschalten von Page erforderte.
Eingefangen wurde das sehr gut durch das verwendete Performance Capture Verfahren, über optische Marker in den Gesichtern und an den Anzügen der Schauspieler wurde die Mimik und die Gestik aufgenommen und digital verarbeitet.

Daraus resultiert eine Illusion die sich sehen lassen kann. Speziell die Mimik der Charaktere in der sich Trauer, Freude, Verzweiflung oder Wut deutlich abzeichnen hat mich fasziniert und offenbart die Möglichkeiten des Performance Capture Aufnahmeverfahren.

Auch die Umwelt ist stimmungsvoll dargestellt, besonders die Szenen im Schnee gefielen mir sehr gut und ließen mich die Kälte spüren.
Gut abgerundet wird der Gesamteindruck durch einen bewegenden Soundtrack (Normand Corbeil, Lorne Balfe, Produzent: Hans Zimmer) und eine gute deutsche Synchronisation durch die original Synchronstimmen der Schauspieler.

Fazit
Ich tue mich schwer das Spiel zu bewerten, da es doch einige deutliche Schwächen hat, wie der chaotische Aufbau, die geringe Freiheit des Spielers und den unflexiblen Handlungsstrang halte ich für nicht mehr zeitgemäß in diesem Genre. Auf der anderen Seite ist es lange her, dass mich ein Spiel oder ein Film emotional so gepackt hat.
Ich empfehle dieses Spiel allen, die bereit sind ein Auge zuzudrücken und sich auf diese Erfahrung eines interaktiven Films einzulassen.

Bewertung: 7/10 Punkten

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