Sonntag, 14. Juni 2015

Die Grosse Schlager Starparade 2015

Der deutsche Schlager erfreut sich immer mehr Begeisterung. Auch beim jüngeren Publikum ist es schon lange keine Besonderheit mehr sich am Schlager zu erfreuen. So war ein vielfältiges Publikum bei der Schlager Starparade 2015 am 13. Juni 2015 in der Berliner Waldbühne anzutreffen. Die oberen Ränge waren nicht ganz gefüllt, allerdings haben viele auch in der Mitte der Waldbühne, ganz in der Nähe der Artists, das Tanzbein geschwungen, weshalb die 15.000 Fans sich gut verteilten.

Das Event wurde durch den ehemaligen Pop-Star und Bro’Sis Mitglied Ross Antony eröffnet. Bereits seit 2006 arbeitet er an seiner Solokarriere und widmet sein Talent schon seit einiger Zeit dem Schlager.

Nach ein paar Songs zum einheizen gab es dann eine kleine Überraschung, als die unangekündigte Pia Malo die Bühne betrat. Die Tochter vom Ex-Mitglied von Die Flippers (Olaf Malolepski) gilt als schönste Schlagertochter. Zu recht, ist die Konkurrenz auch nicht gerade groß, war ihr Auftritt echt nett anzusehen.

Wer sollte als nächstes folgen... natürlich ihr Vater selbst. Nach dem gelungenen Lead-in sorgte Olaf für Stimmung. Auch hier ein weiterer Schlagerstar der seine Anfänge mit Musikband machte. Bereits seit 2011 treibt er seine Solokarriere voran.

Weiter ging es dann mit Achim Petry. War das Programm schon bis hier recht facettenreich, so sorgte der Sohn von Wolfgang Petry insbesondere dafür, dass auch das jüngere Publikum zu Tanzen begann. Mit dem bekanntesten Hit vom Vater Wolle (Wahnsinn) rockte er das Publikum, zum ersten Mal tobt die ganze Masse. Wahnsinn (1983) kommt also auch nach über 30 Jahren super beim Publikum an. Als dann Verlieben, verloren, vergessen, verzeih'n ertönt wird mir schnell klar, Achim Petry schafft es gleich mit 2 Songs das Publikum wirklich zu Begeistern. So schön es auch war hieß es dann nach 4 Songs, der nächste bitte.

Doch kein geringerer als Höhner rockte so richtig weiter. Zu ein paar Gitarrenriffs wird es kurzweilig noch etwas rockiger. Anschließend gelingt auch der Spagat vom rockigen zum Schunkelsong Dicke Mädchen haben schöne Namen. Als dann Schenk mir dein Herz erklingt steigt gefühlt die Hälfte in den Gesang mit ein und alle singen gemeinsam "was dir gefällt - na na na na na na na". Höhner hat ein verdammt vielfältiges Programm dabei. Viva Colonia ertönt und plötzlich stehen auch die letzten auf den Beinen und haben richtig viel Spaß.

Bereits die Ankündigung von Vicky Leandros bringt die Menge zum kreischen, doch sie lässt es erstmal etwas gediegener angehen. Der erste Song scheint nichts zum mitsingen, Applaus gibt es natürlich trotzdem. Ich Bin Wie Ich Bin braucht etwas bis das Publikum klatschend, begleitend einsteigt, doch der Zuspruch ist dennoch spürbar. Man sollte beachten der Hit ist von 1971, da muss der Rost erst abblättern. Auch Verlorenes Paradies verdeutlicht, alle 3 Songs bisher kommen eher verhalten an, auch wenn der Applaus jedes Mal zur Genüge die Lieder würdigt. Ich liebe das Leben hat jetzt endlich den Nerv getroffen und alle sind wieder wach ;-). Irgendwie fehlt hier noch immer etwas der pepp... falsch gedacht, die Hände gehen schon wieder zum Himmel, mussten sich nur alle mal kurz erholen. Es gibt den längsten Klatsch-Chor bislang und gefühlt zum ersten Mal hörbare Zugabe-Rufe. Mit Sommernacht am Meer und Theo wir fahrn nach Lotsch gibt es 2 kurze Zugaben, aber auch Vicky muss die Bühne mal wieder verlassen.

Semino Rossi geht die Sache ganz anders an und fordert das Publikum direkt auf sich zu bewegen. Bei Bella Romantica will das Schunkeln nicht so recht klappen. Nur zögerlich und eher verhalten sieht man hier und da ein paar sich bewegende Grüppchen, aber es wird langsam immer mehr. Trotz Semino´s erneuter Aufforderung für das nächste Lied aufzustehen gesellen sich nur einige weitere zu den ohnehin schon stehenden hinzu. Applaus gibt es auch für die 3 Engel im knappen roten Dress die ihn mit Tanzeinlagen begleiten. Nach dem vierten Lied macht sich etwas Ernüchterung beim Publikum breit, zu wenig "Party" bietet die Songwahl.

Doch dann ist es endlich so weit, die Echo Gewinnerin für den besten Liveact betritt die Bühne. Andrea Berg sorgt dafür, dass die Menge tobt und übertrifft sich selbst. Der Bass übertönt den Gesang zu Die Gefühle haben Schweigepflicht. Im gelben Kleid mit Blumen Akzenten und karibischen Flair sorgt sie für Stimmung. Es geht wieder so richtig ab, wie zuletzt bei Höhner. Andrea Berg kontrolliert die Masse und hat wirklich alle voll im Griff. Augenscheinlich jeder hat seinen Spaß und bewegt sich im Takt, singt mit oder tanzt gar richtig zu Flieg mit mir fort. Durch die übermächtig hämmernden Bässe lässt sich der Gesang bei Der letzte Tag im Paradies teilweise nur erahnen. Ob es wohl an der Lautstärke Dröhnung liegt das alle so abgehen, oder tatsächlich dem Talent von Andrea Berg. Egal ob Jung oder alt alle sind wie polarisiert.
Alle sind völlig aus dem Häuschen und zum Glück gibt es Andrea Berg am 29. August 2015 wieder live in der Waldbühne Berlin zu erleben. Mit Die kleine Kneipe lässt sie es dann etwas ruhiger angehen. Auch Reinhard Mey´s Klassiker Über den Wolken hat sie im Gepäck. Doch damit noch immer nicht genug, den Fans zu Liebe singt sie Drafi Deutscher´s Marmor Stein und Eisen bricht.
Die eigenen Lieder und Texte müssen wohl für die Live Show ende August aufgehoben werden. Mit Du hast mich tausendmal belogen verabschiedet sich Andrea Berg unter Jubel-Gesängen von der Bühne und entlässt das Publikum in die Pause.

© Bilder Nicole Kubelka

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