Sonntag, 17. März 2019

Wir Review zum neuen Horror-Thriller von Get Out Regisseur Jordan Peele


Jordan Peele beweist auch mit seinem zweiten Regiewerk, dass er das Handwerk des Filmemachens versteht. Natürlich waren die Erwartungen nach Get Out insbesondere was das Drehbuch anbelangt recht hoch. Eine stärke von Wir fällt schnell auf - alles stammt aus einer Hand und diese ist in vielerlei Hinsicht sehr geschickt. Denn Peele zeichnet sich neben dem Regieposten ebenfalls wieder für das Drehbuch verantwortlich und hat dieses mal sogar den Produzentenposten selbst übernommen.

© Universal Pictures
Am beeindruckendsten sind der Soundtrack und Score. Nicht nur das die Songs mit bedacht gewählt wurden, sondern auch das Timing und wie es teilweise zum Track kommt ist gelungen und wird nur selten so gut kombiniert. Auch der Einsatz von Geräuschen geht zu weiten Teilen durch Mark und Bein. Das letzte mal das es einem Horrorfilm gelungen ist derart lange die Spannung aufrecht zu erhalten ist schon verdammt lange her. Der letzte Film dem dies gelang und welcher in meiner Erinnerung geblieben ist war Conjuring - Die Heimsuchung, welcher zum Ende für Atemnot und Beklemmung gesorgt hat. Wir gelingt dies bereits im zweiten Akt und gefühlt war für mich der Nervenkitzel noch länger präsent.

© Universal Pictures
Allerdings kommt jetzt auch ein klitzekleiner Kritikpunkt der genau mit der ernsten und finsteren Szenerie im Kontrast steht. Viele kennen und lieben Peele für sein Comedy Talent, welches er nicht zuletzt auch gekonnt in seinem Filmen zum Einsatz bringt. So gut der Humor in Wir auch funktioniert, so sehr hebt er die Stimmung in Momenten, wo es ruhig noch etwas länger hätte atmosphärisch und düster bleiben dürfen.
Apropos Humor und Ernsthaftigkeit... kommen wir zu den Schauspieltalenten. Wie bereits in Jordan Peele´s Erstlingswerk Get Out gelingt die Charakterentwicklung in Wir mindestens genauso gut. Für positive Vibes sorgt Familienvater Gabe Wilson gespielt von Winston Duke (Black Panther, Avengers: Infinity War). Wohingegen seine Frau Adelaide Wilson, welche von der großartigen Lupita Nyong'o (12 Years a Slave, Black Panther) verkörpert wird, von beginn an in nahezu jeder Szene eher für ein etwas beklemmenderes Erlebnis sorgt. Dennoch wirkt das Familienleben im ersten Viertel des Films harmonisch und weitestgehend entspannt, wäre da nicht der oft bedrückende Score. Auch die Newcommerin Shahadi Wright Joseph spielt die Filmtochter der beiden (Zora Wilson) überzeugend.

© Universal Pictures
Um dem Film etwas Tiefe zu verleihen und die emotionale Bindung zum Hauptcast zu stärken wird eine befreundete Familie als umso unsympathischer dargestellt. Dennoch wurde hier auf namenhafte Darsteller gesetzt. Elisabeth Moss (The Handmaid's Tale, The Square) und Tim Heidecker (The Comedy, Tim and Eric's Bedtime Stories) passen gut als witziger Kontrast samt den Gags die sonst überwiegend von Winston Duke eingebracht werden.
Neben einen wirklich guten Cast, angeführt durch die brillante Darbietung und Doppelrolle von Lupita Nyong'o sind es auch die Kameraeinstellungen und Schnitte die Wir von der breiten Masse im Horror Genre positiv abhebt. Klar sind 24,6 Mio $ Budget ein ganzer Batzen Geld, allerdings sind alle Effekte im Film handwerklich gut gemacht und das Einspielergebnis dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit weit über dem Budget münden. Auch der Einsatz von weißen Kaninchen kam seit Matrix und Donnie Darko nicht mehr so gut zur Geltung ;-).

Fazit
Erzähltempo, Musik, Darsteller, Kamera und Grundidee wirken sehr ausgereift. Dennoch verstrickt sich Wir über die gesamte Lauflänge immer wieder in Ungereimtheiten was den Storyverlauf anbelangt. Einiges wirkt insbesondere nach dem Ende des Films in sich nicht mehr stimmig, auch wenn dies den Filmgenuss nicht wirklich störte, gibt es hierfür Abzüge in der B-Note.

Wir Bewertung: 8/10 Punkten

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